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Fachmagazin Data Spaces & AI

DIGITALE WIRTSCHAFT / WISSENSTRANSFER

Erstmals erscheint in Deutschland ein Fachmagazin, das sich ausschließlich dem Thema Data Spaces und souveräner Datenwirtschaft widmet. Warum dieser Schritt überfällig war – und was auf dem Spiel steht.

Von Özlem Doger-Herter | Bonn, Juni 2026


Es gibt Lücken, die man erst bemerkt, wenn jemand sie schließt. Eine solche Lücke existiert seit Jahren im deutschsprachigen Fachjournalismus: Ein Thema, das die Zukunft der europäischen Wirtschaft fundamentaler prägen wird als Cloud Computing oder das Internet der Dinge, hatte kein eigenes publizistisches Zuhause. Datenräume – die technischen und organisatorischen Infrastrukturen, die einen souveränen, sicheren und kontrollierten Datenaustausch zwischen Unternehmen ermöglichen – existierten im öffentlichen Diskurs fast ausschließlich als Randnotiz.

Das ändert sich jetzt. Mit dem Data Spaces Magazine erscheint erstmals im deutschsprachigen Raum ein Fachmagazin, das sich ausschließlich den Themen Datenräume, Datensouveränität und künstliche Intelligenz im Kontext europäischer Datenwirtschaft widmet. Herausgegeben vom data analytics institute (dai), einer der führenden deutschen Institutionen im Bereich Datenanalyse und KI-Strategie, ist es kein Branchenblatt im klassischen Sinne – sondern der Versuch, Wissenstransfer systematisch zu betreiben, bevor Deutschland in einem entscheidenden Technologierennen endgültig den Anschluss verliert.

Ein Thema, das längst entschieden wird – ohne öffentliche Debatte

Wer dieser Tage durch die Veranstaltungskalender europäischer Datengipfel blättert, stößt auf eine paradoxe Situation: Die technologischen und regulatorischen Weichen für Jahrzehnte werden gestellt – in Brüssel, in Berlin, in den Gremien der International Data Spaces Association (IDSA) und des Gaia-X-Netzwerks. Gleichzeitig fehlt im deutschsprachigen Raum fast vollständig der publizistische Raum, in dem diese Entwicklungen für eine breitere Fachöffentlichkeit aufbereitet, kommentiert und kritisch begleitet werden.

Die Konsequenzen sind absehbar: Entscheidungsträger in mittelständischen Unternehmen – Deutschlands sogenannten Hidden Champions – erfahren zu spät von Förderprogrammen, technischen Standards und strategischen Chancen, die ihnen Datenräume bieten könnten. Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die längst an Daten-Ökosystemen arbeiten, kommunizieren kaum in die Breite. Und Politikerinnen und Politiker stehen vor Regulierungsfragen – vom EU Data Act bis zur EHDS-Verordnung – ohne verlässliche, unabhängige Einordnung aus dem eigenen Sprachraum.

Dieses Informationsdefizit ist kein Zufall. Datenräume sind technisch komplex, regulatorisch vielschichtig und strategisch weitreichend – eine Kombination, die die klassische Wissenschaftskommunikation ebenso überfordert wie den Wirtschaftsjournalismus des Tagesgeschäfts. Was fehlte, war ein Medium, das diese Komplexität aushält: das sowohl technisch fundiert als auch lesbar ist, das Policy und Praxis zusammenbringt, das europäische Perspektive mit deutschen Unternehmensrealitäten verbindet.

„Ohne das systematische Zusammenführen und Teilen evidenzbasierter Daten über Organisationsgrenzen hinweg bleiben selbst leistungsfähige KI-Modelle wirkungslos. Erst gemeinsame Datenräume schaffen die Grundlage für belastbare Analysen und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.” — Prof. Dr. Göran Kauermann, Aufsichtsrat data analytics institute, LMU München

Warum jetzt: Der Regulierungsdruck wächst, die Literacy fehlt

Die Zeit für ein solches Magazin hätte kein besseres Datum finden können. Der EU Data Act ist seit März 2025 in Kraft und verpflichtet Unternehmen und öffentliche Einrichtungen zu einem grundlegenden Umdenken im Umgang mit Maschinendaten. Der European Health Data Space (EHDS) nimmt Form an und wird das Gesundheitswesen vor eine Datentransformationsaufgabe von historischem Ausmaß stellen. Und der IDSA Rulebook – das technische Regelwerk für interoperable Datenräume – ist kein abstraktes Whitepaper mehr, sondern Implementierungsgrundlage für reale Unternehmensinfrastrukturen.

Gleichzeitig zeigen Umfragen und Beratungspraxis deutlich: Die meisten deutschen Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, wissen kaum, was ein Datenraum ist, geschweige denn, wie sie davon profitieren könnten. Eine Studie des Fraunhofer ISST aus dem Jahr 2024 stellte fest, dass trotz wachsender Infrastrukturangebote die Adaption in der Breite weit hinter den Erwartungen zurückbleibt – nicht wegen technologischer Hürden, sondern wegen mangelndem Wissen und fehlender Orientierung. Das ist keine Bildungsfrage, das ist ein strukturelles Kommunikationsproblem.

Genau hier setzt das Data Spaces Magazine an. Viermal jährlich soll es Fachartikel, Praxisberichte, Experteninterviews und Policy-Analysen beinhalten – auf Deutsch, für eine Leserschaft, die technisch versiert genug ist, um Tiefe zu verlangen, aber nicht ausschließlich aus Informatikern besteht. Geschäftsführerinnen, IT-Entscheider, Politikberater, Wissenschaftlerinnen: Das Magazin versteht sich als Brücke zwischen diesen Welten.

Wissenstransfer als Wettbewerbspolitik

Man sollte den Schritt nicht unterschätzen. In einer Wissensgesellschaft ist Informationszugang kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Teilhabe – und letztlich für wirtschaftliche Souveränität. Wer nicht versteht, wie Datenräume funktionieren, kann keine informierten Entscheidungen darüber treffen, ob und wie das eigene Unternehmen, die eigene Branche oder das eigene Land daran partizipiert. Der Wissenstransfer, den das Data Spaces Magazine betreiben will, ist insofern keine redaktionelle Nischenentscheidung, sondern eine Form angewandter Technologiepolitik.

Das Gaia-X-Projekt, ursprünglich 2019 von Deutschland und Frankreich lanciert, ist das prominenteste Beispiel dafür, was gelingt, wenn Europa einen eigenen Weg in der Dateninfrastruktur geht – und gleichzeitig ein mahnendes Beispiel dafür, was verloren geht, wenn die Öffentlichkeit nicht Schritt hält. Gaia-X wird in Brüssel und auf Konferenzen intensiv diskutiert. Im deutschen Mittelstand ist es weitgehend unbekannt. Hier liegt das eigentliche Versagen – nicht der Technologie, sondern der Kommunikation.

Die Herausgeber des Magazins – das Team rund um das data analytics institute, dem Experten wie Prof. Dr. Göran Kauermann (LMU), Dr. Ursula Berger und CEO Michael Herter angehören – kennen diese Lücke aus eigenem Erleben. Als Berater, Wissenschaftler und Netzwerker bewegen sie sich tagtäglich an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. Das Magazin ist ihr Versuch, das, was in diesem Netzwerk diskutiert wird, in breitere Kreise zu tragen.

Ein Magazin als Infrastruktur

Es gibt ein Wort, das im Kontext von Datenräumen immer wieder fällt: Vertrauen. Vertrauen, dass Daten sicher bleiben. Vertrauen, dass Standards eingehalten werden. Vertrauen, dass die Infrastruktur verlässlich und nachvollziehbar ist. Dasselbe gilt für Journalismus. Ein Fachmagazin, das glaubwürdig vermitteln will, was Datenräume können und was nicht, muss selbst Vertrauen aufbauen – durch Unabhängigkeit, Tiefe und editorische Sorgfalt.

Das Data Spaces Magazine versteht sich nach eigener Aussage nicht als Verlautbarungsorgan einer Industrie, sondern als kritisches Begleitmedium einer Technologieentwicklung, die Europa vor fundamentale Fragen stellt: Wie viel Datensouveränität ist real erzielbar? Welche Geschäftsmodelle entstehen durch Datenräume, und welche sterben? Wer kontrolliert die Kontrolle? Diese Fragen haben keine einfachen Antworten. Aber sie brauchen einen Ort, an dem sie gestellt werden.

„Der stärkste Wettbewerbsvorteil Deutschlands liegt nicht im internen Konkurrenzkampf, sondern in der kollaborativen Nutzung von Daten und Wissen.” — Özlem Doger-Herter, Pioneer Board Member, data analytics institute

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des ersten deutschen Magazins über Datenräume: Dass Wissen über Infrastruktur selbst eine Infrastruktur ist. Dass die öffentliche Auseinandersetzung mit Datenstrategien keine akademische Übung ist, sondern Voraussetzung dafür, dass Deutschland seinen Platz in der europäischen Datenwirtschaft selbst bestimmt – statt ihn von anderen zugewiesen zu bekommen.

Das Data Spaces Magazine erscheint vierteljährlich. Die erste Ausgabe ist für den Herbst 2026 geplant.


data analytics institute (dai) | dataspaces.eu | ask-a-woman.com

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