„Wenn die Immobilienplattform mehr weiß als die Stadtverwaltung: Was können (und sollen) Daten aus der Privatwirtschaft im Journalismus?” Freitag, 12. Juni, 12:00 Uhr, Raum U2 — mit Michael Herter (dai), Nina Breher und Christina Brause.
Wenn Plattformdaten mehr verraten als Behörden: das dai auf der NR26 in Hamburg
Am 12. Juni 2026 war das data analytics institute (dai) zu Gast auf der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz — Deutschlands wichtigstem Treffen für investigativen Journalismus. Mit dabei: Michael Herter, CEO des dai, als Gesprächspartner auf einem Panel, das eine der drängendsten Fragen der Datenwirtschaft aus journalistischer Perspektive stellte.
Die Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz, kurz NR26, bringt jedes Jahr Hunderte Journalistinnen und Journalisten, Datenspezialistinnen und Medienmacherinnen zusammen — in diesem Jahr auf dem Gelände des NDR in Hamburg. Zwei Tage lang geht es um investigative Methoden, Pressefreiheit, KI in der Redaktion und die Zukunft des Qualitätsjournalismus. Ein Ort, an dem Daten nicht Selbstzweck sind, sondern Werkzeug für gesellschaftliche Aufklärung.
Genau dort, an dieser Schnittstelle von Datenwirtschaft und öffentlichem Interesse, war das dai mit seinem CEO Michael Herter vertreten.
Das Panel: Privatwirtschaftliche Daten als journalistische Quelle
Um 12 Uhr, Raum U2, stellte eine Runde aus Datenjournalismus und Datenexpertise eine Frage, die so simpel klingt wie sie komplex ist: Was wissen Immobilienplattformen, was Stadtverwaltungen nicht wissen — und was darf, was soll der Journalismus damit anfangen?
Gemeinsam mit Nina Breher und Christina Brause diskutierte Michael Herter, welche Potenziale und welche Risiken entstehen, wenn Redaktionen auf kommerzielle Datensätze zurückgreifen. Plattformdaten aus dem Immobiliensektor sind dabei nur ein besonders greifbares Beispiel für ein viel grundlegenderes Phänomen: Privatunternehmen aggregieren heute Informationen über Städte, Bürgerinnen und Bürger sowie wirtschaftliche Entwicklungen in einer Tiefe und Aktualität, die staatliche Stellen schlicht nicht erreichen.
Für den Journalismus ist das eine Chance — und eine Zumutung zugleich.
Datenmacht zwischen Transparenz und Abhängigkeit
Michael Herter brachte in die Diskussion ein, was das dai seit seiner Gründung als Kernthese vertritt: Daten aus der Privatwirtschaft sind keine neutrale Ressource. Sie spiegeln Geschäftsinteressen, Erhebungslogiken und Zugangsbeschränkungen wider. Wer als Redaktion auf Plattformdaten setzt, muss verstehen, wie diese Daten entstehen, wem sie gehören und welche Verzerrungen sie möglicherweise transportieren.
Gleichzeitig wäre es naiv, auf diese Quellen zu verzichten. Gerade in Bereichen wie Wohnungsmarkt, Energieversorgung oder Infrastruktur liefern kommerzielle Datensätze Einblicke, die öffentliche Register nicht geben können — oder nicht geben wollen.
Das Panel zeigte: Die Frage ist nicht ob, sondern wie Redaktionen mit privatwirtschaftlichen Daten arbeiten — mit welcher Transparenz, welchen Qualitätsstandards und welchem kritischen Bewusstsein für die Interessen hinter den Zahlen.
Warum das dai auf die NR26 gehört
Das data analytics institute versteht sich als unabhängige Instanz zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik — und die NR26 ist genau der richtige Ort, um dieses Selbstverständnis zu schärfen. Denn Journalismus braucht Partner, die Datenkompetenz nicht nur anbieten, sondern auch kontextualisieren können. Und die Daten-Community braucht den kritischen Blick des investigativen Journalismus, um nicht in reine Technikbegeisterung abzugleiten.
Die Diskussion in Raum U2 war ein Beleg dafür, dass diese Zusammenarbeit möglich ist — und notwendig.
Das data analytics institute (dai) ist das erste unabhängige und interdisziplinäre Dateninstitut für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Deutschland, mit Hauptsitz in Bonn. Mehr unter dai.institute
