Özlem Doger-Herter im Interview mit dem gmbhchef: Die IT-Frau des Jahres 2023 und Curia-Preisträgerin 2026 (Kategorie „Vorbild”) spricht über ihren Weg vom Investment Banking über die Medien in die Gründung. Sie erklärt, wie sie mit Selbstzweifeln umgeht und warum Kommunikation für sie das Fundament von Führung ist, nicht eine Zusatzkompetenz.
. 👉 Zum Interview auf gmbhchef.de
„Nur für Jungs.” Mit diesem Satz riet mir in der 5. Klasse ein Lehrer vom Computerkurs ab. Er hat das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Ich wollte verstehen, wie Maschinen „sprechen”. Diese Neugier trägt mich bis heute.
Jetzt hat mich das Wirtschaftsmagazin gmbhchef im Rahmen seiner Rubrik Female Leadership interviewt. Das Gespräch mit Veronika Prühs hat mich gezwungen, die Fäden meines Weges einmal zusammenzuziehen. Hier sind meine wichtigsten Gedanken daraus.
Übersetzen ist mein roter Faden.
Als Kommunikationswissenschaftlerin mit fünf Sprachen und einem Schwerpunkt auf Technik, Recht und Wirtschaft bewege ich mich ständig zwischen Systemen. Ob LLMs oder menschliche Sprache: Überall gibt es Bedeutungsebenen, die übersetzt werden wollen. Einen prägenden Impuls gab mir der #WirVsVirus-Hackathon. In 48 Stunden haben wir eine Plattform für Echtzeit-Bettenkapazitäten in Kliniken gebaut. Dort habe ich gespürt, was Technologie mit klarem Zweck leisten kann.
Jede Station hat mir ein anderes Werkzeug gegeben.
Das Investment Banking hat mich gelehrt, unter Druck präzise zu denken und Zahlen, Daten und Fakten als Sprache zu verstehen. Die Medien haben mir gezeigt, wie man Komplexität auf ihre Essenz reduziert. Am stärksten geprägt hat mich aber die Gründung: Dort gibt niemand mehr die Leitplanken vor, man be- und verantwortet die eigene Richtung selbst.
Zweifel sind ein Navigationssystem, kein Urteil.
Selbstzweifel gehören für mich zu jedem ehrlichen Weg. Mir hilft Selbstregulation statt äußerer Bestätigung. Familie und Freunde, Tanz und das meditative Drehen erden mich, wenn der Kopf zu laut wird. Zweifel zeigen mir, wo ich genauer hinschauen sollte.
Was Führung für mich bedeutet.
Ich führe, indem ich Menschen abhole und Räume öffne, in denen sie ihre eigene Stimme finden, in Projekten, in Teams und bei Gründerinnen, die ich begleite. Gute Führung ist unaufgeregt, klar und ehrlich, auch wenn Ehrlichkeit unbequem sein kann. Führungsqualität ist für mich keine Gender-Frage. Beobachtet habe ich aber bei Frauen, die sich ihren Weg in technologiegeprägten Feldern selbst erarbeiten mussten, oft zwei Stärken: die Bereitschaft, verschiedene Perspektiven zusammenzudenken, und ein feines Gespür dafür, wann Strukturen dem Menschen nicht mehr dienen. Je mehr Technologie Entscheidungen mitträgt, desto wichtiger wird beides.
Kommunikation ist das Fundament.
Führung ohne Kommunikation ist nur Verwaltung von Macht. Gerade in der Datenwelt scheitern exzellente Ideen, weil sie nicht in eine Sprache übersetzt werden, die Entscheider:innen erreicht. Recht zu haben reicht nicht, wenn man verstanden werden will.
Ich danke Veronika Prühs und dem gmbhchef-Team für das offene Gespräch.
👉 Das vollständige Interview lesen
Quelle: gmbhchef – „Führung bedeutet für mich Souveränität, die man weitergibt”
